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25 Aug

Die Zahl des Tiers, Robert A. Heinlein, Heyne Verlag, Rezension

Vor Jahren war ich mal wieder auf einem SF-Con (Marburg oder BuCon in Dreieich-Sprendlingen) und habe wieder in den meterhoch übereinander gestapelten Bananen-Kistenregalen des bei vielen SF-F-Fans bekannten SF-und-Fantasy-Gebraucht-Makulatur-und-Ramschbuchverkäufer Reinhard Rauscher gestöbert. Wenn auf einem Buchrücken „Robert A. Heinlein“ steht, greife ich natürlich sofort zu, denn er gehört zu meinen Lieblingsautoren (Ein Doppelleben im Kosmos, Fremder in einer fremden Welt, Das neue Buch Hiob; die beißende Ironie, welche im auch verfilmten Starship Troopers steckt, bemerkt kaum jemand).
Der Heinlein, den ich nun erwischte, war „Die Zahl des Tiers“, erschienen im Heyne-Verlag, der sich um die SF verdient gemacht hat (Das Cover jedoch finde ich nicht so recht passend, da gab’s dann bessere bei späteren Ausgaben). Die Originalausgabe erschienen 1980 unter dem Titel „The Number of the Beast“, als deutsche Ausgabe erstmals 1981 und gilt als „krönendes Alterswerk des Meisters“.
Trotzdem dauerte es einige Zeit, bis es drankam, denn Schreiben und Verlegen haben das Lesen stark eingeschränkt auf einige Seiten „Einschlaflektüre“; jedes gute Buch ist dafür eigentlich zu schade und sollte zur Strafe zum Wachbleiben animieren und schlechtes Einschlafen verursachen. (Auch schon vorgekommen, deswegen lese ich abends möglichst nur noch „Soft-Lektüre“)
„Der letzte Heinlein“ müsste also langes Lesen noch abends im Bett verursacht haben, hat er aber nicht, er war gähnend langatmig und reizte jeden Abend lediglich zum enttäuschten Zuklappen und Licht ausmachen. Woran lag es: Er wollte es uns allen noch einmal zeigen, was er drauf hat, und so etwas kann auch richtig schief gehen (Vorführeffekt).
Na klar, Tabus werden wie eh und je gebrochen, nur sind die damals herrschenden heutzutage längst keine mehr. Er scheint sich auch umfangreiches Wissen über Navigation angeeignet zu haben (vielleicht hatte er sich eine Yacht zugelegt, oder den Flugschein gemacht; genug „Erfolgskohle“ gab’s ja wohl für ihn) und breitet dies nun in seinem Alterswerk aus bis zum geht nicht mehr. Als unbedarfter Leser versteht man dieses ganze Fachchinesisch ohnehin nicht, kann es nicht nachvollziehen und empfindet es für die Handlung als überflüssig – Unverdauliches also statt Lesegenuss.
Er kommt (auch darum) mit der Handlung (Zeitmaschine (gähn, und dabei bin ich ein Fan von Zeitreisen, vor allem von einem diesbezüglichen „uralten“ Film: Die Zeitmaschine, nach H. G. Wells), mysteriöse Aliens (?), Alternativwelten (auch noch Vorkenntnisse seines Werks erforderlich!)) nicht in die Pötte und das stete und sich auch wiederholende erotisch-intellektuelle Sprach- und Mach-dies-und-das-Gekabbel der vier Protagonisten, ein junges und ein älteres Pärchen, geht nach hunderten von Seiten dann doch gehörig auf den Senkel.
Nachdem die Hälfte des Buchs gelesen war, habe ich etwas getan, was ich in meiner ganzen 55-jährigen Laufbahn als „Leseschildkröte“ (ich bin eine Leseschildkröte, siehe „Sherman’s Lagoon“, denn ich mag keine Ratten, will also auch keine „Leseratte“ sein! Angefangen mit 5 Jahren, konnte ich, als ich in die 1. Klasse kam, schon ganz ordentlich lesen) noch nicht gewagt habe … ich habe das Buch nicht nur zugeklappt sondern in meinen schönen geflochtenen 30,- Euro teuren Korb für Papierabfall entsorgt. Ich bitte um Pardon, großer Meister, aber ich stand vor ihm und konnte nicht anders.
Bisher bin ich ein geduldiger Leser gewesen und ackerte mich durch jedes Buch, was ich (auch zufällig) angefangen hatte (trotz allem möchte ich ja immer wissen, wie es ausgeht). Nun bin ich 60 und meine Zeit ist knapper denn je. Meine Buchregale habe ich auf die Hälfte ausgemistet (es stehen aber immer noch ein paar hundert „Schätze“ drinnen) und ich lese wählerischer.

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Frei nach Jürgen Klopp, dem ehemaligen Cheftrainer der professionellen Fußballmannschaft vom Ballspielverein Borussia 09 e. V. Dortmund

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