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Dienstag, 26 August 2014 00:00

"Limit", Frank Schätzing, Roman, Rezension

Dieses Buch habe ich mir vor zweieinhalb Jahren zum Geburtstag schenken lassen, passender Weise am 1.1. des Jahres.

Ich zögerte einige Jahre lang, mit dem Lesen anzufangen, weil

  • ich vorab mehrere Rezensionen zu diesem Werk las. Diese „Besprechungen“ schwankten zwischen Begeisterung und Enttäuschung, im Gegensatz zu dem „Schwarm-Roman“ der einhellig gelobt wurde.
  • zwischendurch die zehn Bände von „Game of the Thrones“ gelesen werden mussten (= nächste Rezension von mir), die ich mir vom Bargeldregen des nächsten Geburtstags gekauft hatte.
  • ein angefangenes Buch grundsätzlich von mir zu Ende gelesen wird. In 50 Lesejahren legte ich höchstens 10 Bücher mittendrin beiseite. (James Joyce, Ulysses: zu schwer zu lesen / Sloterdijk, Im Weltinnenraum des Kapitals: zu verschwurbelt, Richard Dawkins, Der Gotteswahn, zu fundamental, gar nicht überzeugend, usw.). Fünf davon las ich irgendwann doch zu Ende

Erst als mir der Lesestoff ausging, fing ich an. Nun kann ich mir ein eigenes Bild von diesem Roman machen.

Gleich vorweg: Ich mag „Wälzer“! ... wenn sie keinen „Durchhänger“ haben. Daher mag ich Schriftsteller, die einen Wälzer erschaffen ohne Durchhänger.

Ich mag Frank Schätzing! ... als Schriftsteller von Wälzern ohne Durchhänger (das hänge ich mal vorsichtshalber an, um Missverständnissen vorzubeugen)! ;-)

Ich habe es gern ausführlich „beschrieben“ und schätze es sehr, wenn der Autor „für mich“ sorgfältig recherchiert hat. Ich mag es, beim Lesen viel über die Welt, die Menschen und über das ganze Drumherum dazu zu lernen. Unterhalten werden und „ganz nebenbei“ einen besseren Durchblick über vieles zu erhalten, finde ich einfach gut.

Darum ist „Limit“ kein reiner SF-Roman, sondern ein postgegenwärtiger Thriller, der morgen schon Wirklichkeit sein könnte. Vieles ist bereits gegenwärtig und die Rückblicke öffnen einem die Augen, was für schlimme Sachen geschehen sind und gerade geschehen, abseits von den Tagesnachrichten – Schätzing rührt den Schlamm, die „Kehrseite der Medaille Mensch“, kräftig auf. Leider kräht danach kein Hahn mehr.

Mir wurde der Wälzer an keiner Stelle zu lang, denn die Spannung blieb bis zum Schluss, der echten Überraschung bei der Enttarnung.

Die „Verfolgungspassagen“ sind dermaßen „virtuell-virtuos geschrieben“, dass ich keinen Film mehr dazu sehen muss – die spielten sich live vor meinem „inneren Auge“ ab. Der Text ist teilweise ein Actionfilm in Worten! Sollten diese Szenen verfilmt werden, ist kein Drehbuch mehr nötig, es geht eins zu eins. Das würde auf jeden Fall eine Herausforderung für Stuntfrauen und Actionmänner.

Einige Textbilder sind sehr gelungen, einige recht gezwungen und einige einfach krass übertrieben, zum Beispiel „Eine Galaxie explodierte in seinem Gehirn“.

Zum Schluss lässt die Qualität des Textes nach, als ob der Autor es nun doch etwas eilig hatte, fertig zu werden. Auch der Lektor wird müde geworden sein. Und so ist wohl auch der Lapsus zustande gekommen, der mir sogleich auffiel: Schätzing vergrößert die Piazza San Marco in Venedig auf 1,5 Quadratkilometer – das wären 140 Fußballfelder. 1,5 Hektar wäre richtig ... also 1,4 Fußballfelder, ein Hundertstel. Schwamm drüber, denn auch kein Leser scheint noch aufgepasst zu haben. (Oder ist das in einer neueren Auflage bereits geändert worden?)

Sehr gern gelesen!

Kinnison

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Mein gebrauchtes Exemplar erwarb ich beim Besuch des BuCon 2011 in Dreieich. Es sah noch wie neu aus und sollte weniger als zehn Euro kosten. Ich war fast schon auf dem Heimweg, als ich zum Stand ging, um das Buch zu kaufen. Der Verkäufer jedoch war gerade ausgetreten, ich derweil hatte es gerade eilig (nach Hause). Kurzentschlossen legte ich einen zehn Euroschein auf den Stuhl (den hölzernen), nahm das Werk an mich und sagte dem Standbetreiber zur Rechten, dass der gute Mann sich von dem Rest einen Kaffee gönnen sollte.

Wälzer wecken bei mir sowohl Anziehungs- als auch Abschreckungskräfte.

Ich denke zunächst an die Mühe des Lesens sowie den Zeitaufwand. Als nächstes jedoch verbinde ich mit dem mir unbekannten Werk die Hoffnung, dass es sich lohnt. Dann folgt die Skepsis, ob es möglich ist, zum Beispiel dieses Buch mit neunhundertachtundsiebzig Seiten zu schreiben, ohne Längen zu fabrizieren.

Letztendlich siegte mein Bücherwurm-Gen (wie üblich) und ich las mich hinein ins Unbekannte. „Unbekannt“ ist bei diesem Science-Fiction-Werk wahrhaftig das treffende Wort. Dennoch hatte ich stets das Gefühl, diese Geschichte in der Gegenwart zu erleben.

So ist es wohl beabsichtigt, jedoch nur möglich durch die überragende Grundidee: Intelligente Lebewesen (lassen wie mal den strapazierten Begriff „Aliens“) in den tiefsten Meeresgräben unseres eigenen Planeten. Fremdartiger als aus dem fernsten Winkel des Universums, denn die Tiefsee scheint unerforschter zu sein als das Weltall.

Bestimmt war ein irdischer Ozean schon des Öfteren die Wiege von unbekannten Wesen, welche in den Hirnen früherer SF-Autoren ersonnen wurden. Aber diese Umsetzung ist gewiss einzigartig neu.

Dies erinnert an „Das Parfum“: ein seltenes Thema (Der bis dato wenig beachtete Gesichtssinn „Riechen“!) wird für eine faszinierende Geschichte entdeckt. Das macht u. a. den Erfolg aus: Das „neue“ Thema und dessen gelungene Umsetzung.

Ein halbes Dutzend Handlungsfäden, beginnend an verschiedenen Punkten der Erde, ohne Verwirrung beim Leser zu stiften - eine Meisterleistung!

Gekonnt werden sie bis zum spektakulären Finale auf dem Flugzeugträger stetig einander angenähert und mit einander verwoben. Zahlreiche Personen überleben die Geschichte nicht. Diese Erzählweise und der Umgang mit den Personen erinnert mich an „Das Spiel der Throne“ von George R.R. Martin. Ich vermute, Frank Schätzing hat dessen erste Bücher aufmerksam gelesen. :-)

Eine guten Stil zu übernehmen ist aber kein Nachmachen, denn einen guten Roman muss man immer noch selber zuwege bringen, wie zum Beispiel die Charakterisierung der Personen. Nachfolgend zitiere ich meine Lieblingsfigur aus dem Schwarm-Roman (geht „leider“ auch drauf):

Johanson war Visionär und wie alle Visionäre dem völlig Neuen ebenso zugetan wie vergangenen Idealen. Sein Leben war getragen vom Geiste Jules Vernes. Niemand hatte den heißen Atem des Maschinenzeitalters, erzkonservative Ritterlichkeit und die Lust am Unmöglichen so treffend zu vereinen gewusst wie der große Franzose. Einzig die Gegenwart war eine Schnecke, die auf ihrem Buckel Sachzwänge und Profanitäten mit sich schleppte. Sie fand keinen rechten Platz im Kosmos Sigur Johansons. Er diente ihr, erkannte, was sie von ihm verlangte, bereicherte ihren Fundus und verachtete sie für das, was sie daraus machte.

Auf neunhundertachtundsiebzig Seiten entdeckte ich nur einen logischen Fehler, und der war auch noch marginal. Was mit einem bestimmten Orca nun nicht stimmte, verrate ich aber nur auf Anfrage ... ;-): Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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