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Mein gebrauchtes Exemplar erwarb ich beim Besuch des BuCon 2011 in Dreieich. Es sah noch wie neu aus und sollte weniger als zehn Euro kosten. Ich war fast schon auf dem Heimweg, als ich zum Stand ging, um das Buch zu kaufen. Der Verkäufer jedoch war gerade ausgetreten, ich derweil hatte es gerade eilig (nach Hause). Kurzentschlossen legte ich einen zehn Euroschein auf den Stuhl (den hölzernen), nahm das Werk an mich und sagte dem Standbetreiber zur Rechten, dass der gute Mann sich von dem Rest einen Kaffee gönnen sollte.

Wälzer wecken bei mir sowohl Anziehungs- als auch Abschreckungskräfte.

Ich denke zunächst an die Mühe des Lesens sowie den Zeitaufwand. Als nächstes jedoch verbinde ich mit dem mir unbekannten Werk die Hoffnung, dass es sich lohnt. Dann folgt die Skepsis, ob es möglich ist, zum Beispiel dieses Buch mit neunhundertachtundsiebzig Seiten zu schreiben, ohne Längen zu fabrizieren.

Letztendlich siegte mein Bücherwurm-Gen (wie üblich) und ich las mich hinein ins Unbekannte. „Unbekannt“ ist bei diesem Science-Fiction-Werk wahrhaftig das treffende Wort. Dennoch hatte ich stets das Gefühl, diese Geschichte in der Gegenwart zu erleben.

So ist es wohl beabsichtigt, jedoch nur möglich durch die überragende Grundidee: Intelligente Lebewesen (lassen wie mal den strapazierten Begriff „Aliens“) in den tiefsten Meeresgräben unseres eigenen Planeten. Fremdartiger als aus dem fernsten Winkel des Universums, denn die Tiefsee scheint unerforschter zu sein als das Weltall.

Bestimmt war ein irdischer Ozean schon des Öfteren die Wiege von unbekannten Wesen, welche in den Hirnen früherer SF-Autoren ersonnen wurden. Aber diese Umsetzung ist gewiss einzigartig neu.

Dies erinnert an „Das Parfum“: ein seltenes Thema (Der bis dato wenig beachtete Gesichtssinn „Riechen“!) wird für eine faszinierende Geschichte entdeckt. Das macht u. a. den Erfolg aus: Das „neue“ Thema und dessen gelungene Umsetzung.

Ein halbes Dutzend Handlungsfäden, beginnend an verschiedenen Punkten der Erde, ohne Verwirrung beim Leser zu stiften - eine Meisterleistung!

Gekonnt werden sie bis zum spektakulären Finale auf dem Flugzeugträger stetig einander angenähert und mit einander verwoben. Zahlreiche Personen überleben die Geschichte nicht. Diese Erzählweise und der Umgang mit den Personen erinnert mich an „Das Spiel der Throne“ von George R.R. Martin. Ich vermute, Frank Schätzing hat dessen erste Bücher aufmerksam gelesen. :-)

Eine guten Stil zu übernehmen ist aber kein Nachmachen, denn einen guten Roman muss man immer noch selber zuwege bringen, wie zum Beispiel die Charakterisierung der Personen. Nachfolgend zitiere ich meine Lieblingsfigur aus dem Schwarm-Roman (geht „leider“ auch drauf):

Johanson war Visionär und wie alle Visionäre dem völlig Neuen ebenso zugetan wie vergangenen Idealen. Sein Leben war getragen vom Geiste Jules Vernes. Niemand hatte den heißen Atem des Maschinenzeitalters, erzkonservative Ritterlichkeit und die Lust am Unmöglichen so treffend zu vereinen gewusst wie der große Franzose. Einzig die Gegenwart war eine Schnecke, die auf ihrem Buckel Sachzwänge und Profanitäten mit sich schleppte. Sie fand keinen rechten Platz im Kosmos Sigur Johansons. Er diente ihr, erkannte, was sie von ihm verlangte, bereicherte ihren Fundus und verachtete sie für das, was sie daraus machte.

Auf neunhundertachtundsiebzig Seiten entdeckte ich nur einen logischen Fehler, und der war auch noch marginal. Was mit einem bestimmten Orca nun nicht stimmte, verrate ich aber nur auf Anfrage ... ;-): Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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Dieses Buch habe ich vor einem Jahr gelesen nach einem kostenlosen Download (gut für mich als Leser, ansonsten ein Graus - ich bin ja auch Schriftsteller und möchte von meiner Kreativität etwas haben, nämlich mein Auskommen).

Ich habe schon einige Rezensionen verfasst nach klassischen Mustern, bisher jedoch nur aus der Sicht eines Konsumenten. Ich unternehme mit diesem Text den ersten Versuch, als "Konkurrent", nämlich Schriftstellerkollege zu rezensieren.

Ich kenne seit langem das indianische Sprichwort "Willst du einen Anderen verstehen, musst Du einige Meilen in seinen Mokassins laufen". Bei der Einschätzung (das Wort "Beurteilung" verwende ich aus naheliegenden Gründen nicht) des Werkes eines Kollegen denke ich zunächst einmal an die Mühe, welche beim Schreiben nötig war. Und hier trennt sich bereits die Spreu vom Weizen! Ich jedenfalls erkenne, ob ein Kollege sich wirklich reingehängt hat. Schon H. P. Lovecraft insistierte Fritz Leiber: "Achte beim Schreiben auf Ehrlichkeit, Überzeugung, Sorgfalt, Vollkommenheit und Wissenschaftlichkeit!" (Diesen Satz zitierte Fritz Reuter Leiber, als er von Paul Walker interviewt wurde.)

Der Roman "Eine Billion Doller" ist ein richtiger Wälzer (das ist eher ein Kriterium für Fleiß statt Qualität), jedoch bis zum Schluss gleichbleibend eingänglich formuliert. Unzählige Details wurden von Andreas Eschbach recherchiert und akribisch eingearbeitet, nach dem Motto: "Der Leser hat ein Recht darauf, das der Autor sich die Mühe gibt, den Wahrheitsgehalt des Hintergundes seiner Geschichte zu überprüfen".

Daher für Andreas Eschbachs Emsigkeit: "Chapeau!"

Auf die Handlung gehe ich nicht ein, denn diese wurde, zum Beispiel bei "Amazon", bereits zigmal zusammengefasst. Ich beschränke mich auf die Eindrücke, welche ich beim Lesen hatte. Zunächst hat mich diese Geschichte fasziniert durch ihre wundervolle Eingangssequenz mit dem unerwarteten Gigaerbe sowie der Bewältgung dieser Schicksalswende durch den Protagonisten. Es war eine klasse Idee von Andreas Eschbach, wie dieses Vermögen hätte zustande kommen können (diese fiktive Geldanhäufung begann vor 500 Jahren, aber nun wissen wir, wie es geht, und könnten ruhig mal reell damit anfangen – auch jene Kölner im Mittelalter, welche das Fundament ihres Doms legten, sahen nicht seine Türme!).

Die Schilderungen, wie der Protagonist mit seinem Erbe umgeht, sind über lange Passagen hinweg richtige "Schenkelklopfer" und ich ertappte mich oft bei dem Gedanken: "Jawoll! So etwas hätte ich auch getan, wenn ich so einen Haufen Kohle hätte – liebend gern!"

Daher für die ersten paar hundert Seiten: "Chapeau!"

Beim Weiterlesen des Romans rückt die Frage in den Mittelpunkt: "Was eigentlich sinnvoll machen mit so viel Geld? Zumal es dafür auch gedacht war!" Naheliegend geht es nun um das "Weltgesamt", einem Gewicht, an welchem sich Andreas Eschbach dann etwas verhoben hat. Die Beschreibung, wie mit dem ultravielen Geld mehr und mehr Einfluss auf das Schicksal der Menschen genommen wird, verliert sich in Details und weniger nachvollziehbaren Handlungen. Kein Wunder, dass erst die "Philippinen-Episode" sowie die "Entführung in Mexico" mich wieder lebhafter am Geschehen teilnehmen ließen.

Daher für Weiterführung der Handlung: "Ein Zeigefingerwischer entlang der Zylinderhutkante à la Pan Tau" (Ach, das könnte man noch etwas besser hinzaubern nach dem Motto: Das Bessere ist der Gegner des Guten!) – Apropos ... Pan Tau trägt eine Melone.

Letzendlich ließ mich der Schluss höchst unzufrieden zurück – so ein Haufen Geld und fast nichts ist damit bewirkt worden? Damit hätte man doch viel mehr anfangen können und ich wäre anders an den Schluss herangegangen! Je länger ich jedoch darüber nachdachte, desto einleuchtender war dieses eher lakonische Ende.

Als gelegentlichem Optimisten bleibt mir das fatalistische Resümee: Selbst mit einer Billion Dollar kannst Du die Welt nicht ändern beziehungsweise retten. (Eine Billion Dollar sind im Verhältnis zum jährlichen Weltbruttosozialprodukt von fünfundsiebzig Billionen Dollar und einem Weltprivatvermögen von mindestens 245 Billionen Dollar immer noch "Peanuts".)

Am Roman-Ende hatte ich also zu knabbern, aber darüber nachgedacht gebe ich ein: "Hut ab!" (für "Chapeau" hat es dann aber doch nicht gereicht.)

Das ganze Werk ist ein lesenswertes Buch für Menschen, welche gerne "über unsereiner" reflektieren und es auch ausführlich beschrieben haben wollen – eine Fleißarbeit des Autoren, aber auch für den Leser. Aber ... ich mag solche Bücher!

William Kimball Kinnison – Kassel, den 2. Mai 2014

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