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Klaus Scheidt

Klaus Scheidt

 

Nachdem ich einen anderen Kriminalroman mit Kassel als „Kulisse“ gelesen und rezensiert hatte, stieß ich auf dieses Werk, in welchem der Mörder vornehmlich in Bad Wilhelmshöhe seine Untaten vollbringt. 

Andreas Groß stellt mit Raphael Wolf einen Hauptkommissar vor, der sich mit Leib und Seele der „Gerechtigkeit“ verschrieben hat. Je besessener der Täter mordet, desto verbissener bleibt der Kriminalist ihm auf der Spur, bis er ihn im Bergpark unterhalb des Herkules stellt. Allerdings bliebt ihm angesichts einer Geißel nichts anders übrig, als nach Hammer und Nagel zu greifen, wie jene römische Soldaten zweitausend Jahre zuvor auf dem Berg Golgatha. Dieses einzigartige Finale hebt den Kriminalroman aus der Masse der anderen heraus! 

Bis es zu den finalen Schusswechseln kommt, fließt erst einmal „viel Wasser die Fulle (Fulda)“ runter“, wie die Kasseläner (Einwohner von Kassel) sagen, wenn es etwas dauert. Auf den über 500 Seiten des vom Verlag „Saphir im Stahl“ herausgegebenen Buchs wird der Leser einbezogen in das Denken und Fühlen sowohl der Täter als auch der Fahnder – die Grenze zwischen Gut und Böse – wie auch im richtigen Leben – ist nicht scharf gezogen. 

Persönlich scheint sich für Raphael Wolf vieles zum Guten zu wenden, bis er den größten Schock seines Lebens erleiden muss, denn etwas Unvorstellbares tritt ein. 

Wenn er seinen zweiten Fall angehen wird, ist er darum erst einmal ein „einsamer Wolf“.

Mitgerissen gelesen.

Klaus Scheidt

Es gibt mindestens 56 Publikationen zu Störtebeker, von denen ich gewiss ein Drittel erworben und gelesen habe. Ich verfasste nämlich ein Drehbuch „Klaus Störtebeker“ und sandte das Manuskript an den NDR. Leider wurde von der Fernsehanstalt gerade ein Zweiteiler namens „Störtebeker“ nach dem Drehbuch von Walter Christian Kärger mit dem Hauptdarsteller Ken Duken verfilmt. (Naiver, aufwändig produzierter Säbelrassel-Zweiteiler, Zitat Rainer Tittelbach in tittelbach.tv)

Seither schlummert mein Werk in der Schublade ...

Das Interesse jedoch ist geblieben und daher erwarb ich oben genanntes Buch, gebraucht aber signiert von Harald Gröhler. Das konnte ich erfreut feststellen, als ich das Paket von Amazon öffnete und das Buch aufschlug. Ich habe auch gleich zu lesen angefangen ...

... und nach einer Weile pausiert, denn der Text ist ungewöhnlich. Er beschäftigte mich, denn ich konnte das Werk noch nicht einordnen und bewerten.

Also recherchierte ich im iNet:

Harald Gröhler, (* 1938 in Bad Warmbrunn) ist ein deutscher Schriftsteller. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen, Lyrik und Bühnenstücke. Er ist hervorgetreten als Essayist und Herausgeber literarischer Texte.

In Göttingen, Kiel und Köln studierte er Psychologie, Philosophie und Geschichte. 1976 hatte er zwei Gastprofessuren für Literatur/Literatursoziologie an US-Staatsuniversitäten in (Texas und New Mexico) inne.

Er ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland, im Autorenkreis Rhein-Erft, in der Deutschen Gesellschaft für Philosophie, der Europäischen Autorenvereinigung Die Kogge, des Verbands deutscher Schriftsteller, im Autorenkreis historischer Roman Quo vadis, des Plesse-Autorenkreises und Gründungsmitglied des Literaturhauses Köln.

Dann las ich den „Klappentext“ des Buchs:

Spätes Mittelalter, Hansezeit, Ost- und Nordseeraum zwischen Ordensland und friesischen Inseln. Klaus Störtebeker sorgt mit den Vitalienbrüdern für Unruhe. Harald Gröhler begnügt sich nicht mit dem bekannten, von zahllosen Legenden umrankten Bild des historisch verbürgten Freibeuters, das Bücher und Filme immer weiter ausschmücken. Er geht einen anderen Weg: Aus den nicht eben üppigen Informationen authentischer Quellen lässt er Umrisse des wirklichen Störtebeker erstehen. Ein bislang kaum bekanntes englisches Dokument liefert hier eine kleine Sensation. Dabei verlieren die Figuren nichts von ihrer Lebendigkeit, erzählt wird eine Geschichte voller Saft und Kraft, mit genauem Zeitkolorit und zuweilen auch deftigem Humor. Für diese Verbindung aus historischer Erzählung und sorgfältiger Dokumentation hat der Autor einen ganz eigenen Ton gefunden. Eine fesselnde Lektüre.

Es folgt der Auszug aus einer Buchbesprechung:

Lesevergnügen für Jugendliche und Erwachsene. Und er ist sich treu geblieben. Dieses Buch hat wiederum mehrere Ebenen. Man kann es lesen als Roman, aber eigentlich ist es aufgebaut wie ein Band mit mehreren Erzählungen. Wer mehr über die Hintergründe und die historischen Zusammenhänge wissen möchte, für den sind die ausführlichen Anmerkungen im Anhang sehr hilfreich. Und Gröhler wäre nicht Gröhler, wenn er nicht wieder mit "literarischen Tricks" gearbeitet hätte, die das Lesevergnügen noch erhöhen: Die Namen der Helden Klaus Störtebeker und Gödeke Michels werden unterschiedlich geschrieben, je nachdem, ob Gröhler Sagen wiedergibt bzw. Stoffe poetisch ausgestaltet oder ob Fakten genannt werden, die einen hohen Grad an Wahrscheinlichkeit haben oder aber, ob eine gesicherte Quellenlage vorliegt. So kann der Leser den Band, der im Untertitel 'Die Biographie' heißt, als Roman lesen und, wenn er möchte, zusätzlich immer mehr über die Hintergründe in Erfahrung bringen.

Gern bestätigen die Kritiker Gröhler generell einen "vielseitigen und spielerischen Umgang mit Sprache". Von einem Geflecht sprechen sie, in dem surrealistische und traumhafte Elemente auszumachen sind.

Was den „spielerischen Umgang mit der Sprache“ betrifft – Biografie und „Romanhandlung“ wechseln sich permanent und stets ansatzlos ab.

Last but not least wollte ich den Unterschied zwischen einer Biografie und einem Roman erkennen – also guckte ich bei Wikipedia (mit der stets nötigen Vorsicht, dass Wikipedia nicht „alternativlos“ ist) ...

Eine Biografie ist die Lebensbeschreibung einer Person. Die Biografie ist die mündliche oder schriftliche Präsentation des Lebenslaufes eines anderen Menschen. Biografien bilden auch ein wichtiges Instrument der Erinnerung an andere Personen. Sie sind daher Gegenstand der Literatur- und Geschichtswissenschaft, der Soziologie, der Pädagogik, der Psychologie, der Medizin und der Theologie.

Der Roman ist eine literarische Gattung, und zwar die Langform der schriftlichen Erzählung. Von anderen Gattungen ist der Roman vor allem negativ abzugrenzen. Das Kriterium der Fiktionalität unterscheidet den Roman von faktualen Erzählungen – etwa denen der Geschichtsschreibung –, die ein getreues Abbild eines Geschehens darbieten wollen. Oft weist schon das Wort Roman auf dem Cover oder Titelblatt einen Roman als künstlerisches und damit fiktionales Werk aus.

Nun war ich etwas schlauer und konnte mir meine Meinung zu dem Buch bilden:

Gröhler schreibt im Prinzip gegensätzliche Gattungen zu einem Wust zusammen, springt hin und her zwischen Biografie, Roman, Vergangenheit und Gegenwart. In meinem Kopf entsteht daher der Eindruck von „Leipziger Allerlei“ in schriftlicher Form. Ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Lektor dieses Werk durchgesehen hat, denn woher sollte dieser wissen, ob so gewollt oder nicht.

Wer eine solche Form der Textverarbeitung mag und sie für Sprachkunst hält, mag es ruhig lesen.

Mit geht sein „ganz eigener Ton“ jedoch „gegen den Strich“ – es ist für mich einfach kein Vergnügen, Texte in diesem Stil zu lesen.

Jedoch nehme ich keine Bewertung vor.

Klaus Scheidt

Kassel, den 13. Februar 2016

Nun habe ich noch etwas Passendes zu dieser Buchbesprechung gefunden ... ;-)

Über gewisse Schriftsteller

Sie fahren das Erlebte und Erlernte

nicht in die Scheuer ein und nicht zur Mühle.

Sie zeigen ihre Felder statt der Ernte,

die noch am Halme wogenden Gefühle,

und sagen zu den Lesern stolz und fest

"Das wärs - nun fresst!"

Erich Kästner

Zunächst eine Empfehlung: http://notquitelikebeethoven.wordpress.com

Dieser Blog über Unhörbares, Unerhörtes und Nichtgehörtes befasst sich naheliegend mit Taubheit und Schwerhörigkeit.

Der Titel „Not quite like Beethoven“ (Nicht ganz (so) wie Beethoven) bezieht sich wohl darauf, dass Hörgeschädigte keineswegs so verzweifeln müssen wie Beethoven.

Dass Alexander Görsdorf einen englischsprachigen Titel für seinen Blog gewählt hat, könnte daran liegen, dass er diese Sprache fließend beherrscht – er promovierte in Harvard, USA.

Die Promotion (lat. promotio ‚Beförderung‘) ist die Verleihung des akademischen Grades eines Doktor oder einer Doktorin in einem bestimmten Studienfach und in Form einer Promotionsurkunde. Sie gilt als Nachweis der Befähigung zu vertiefter wissenschaftlicher Arbeit und beruht auf einer selbständigen wissenschaftlichen Arbeit, der Dissertation, sowie einer mündlichen Prüfung. Das Promotionsrecht besitzen Universitäten und (in Deutschland) ihnen gleichgestellte Hochschulen.

Die Harvard University (kurz Harvard) ist eine private Universität in Cambridge, Massachusetts im Großraum Boston an der Ostküste der Vereinigten Staaten. Die Gründung geht zurück auf das Jahr 1636, als fromme englische Kolonisten im damaligen Newetowne den Beschluss fassten, eine Ausbildungsstätte für Geistliche zu errichten. Aus dieser Schule ging die Harvard-Universität hervor, die damit die älteste Universität der Vereinigten Staaten ist. Harvard erreicht in internationalen Vergleichen regelmäßig einen Spitzenplatz unter den besten Eliteuniversitäten.

Warum füge ich aus Wikipedia diese langen Erläuterungen an? Auch wenn man es nicht glaubt – es gibt (einige?) Leute, die so etwas nicht wissen, vor allem Taube und Schwerhörige. Die würden wohl eher sagen: „Der hat seinen Doktor gemacht und zwar auf einer Ami-Uni.“

Sein Buch „Taube Nuss – Nichtgehörtes aus dem Leben eines Schwerhörigen“ ist eine Zusammenstellung von kurzen Geschichten und Episoden. Seine Erlebnisse kann man zusammenfassen in einem Satz: „Es geschieht so viel, was wirklich nur einem Schwerhörigen (Tauben/Ertaubten/Hörgeschädigten) passieren kann!“

Ganz genau so ist es – häufig identifizierte ich mich mit den geschilderten Gegebenheiten, weil ich sie selbst erlebt habe oder ohne Weiteres nachvollziehen konnte. Aber nicht posthum grollend, sondern nachsichtig lächelnd. Dafür sorgt der Autor mit seiner durchweg humorvollen Sicht der Dinge. Aber da muss man als Betroffener erst einmal hinkommen – kein Wort davon, wie er es geschafft hat, seine Behinderung „von der leichteren Seite“ zu nehmen.

Aber es gibt solche Menschen, die unwiderstehlich ihre Bahn ziehen, egal, welches Handicap sie haben. Ich kenne so einen Einzelkämpfer, der ist heute Chefarzt und wollte es auch werden und hat sich von niemandem auf seinem Weg aufhalten lassen.

Bei den Texten von Alexander Görsdorf fiel mir schon während des Lesens auf, dass er sich stets orientierte an den „Flotthörenden“, so nennt er die gut Hörenden auf etwas flapsige Art. Zu ihnen will er gehören um jeden Preis. So wie Beethoven, der den Hörenden verpflichtet bleiben wollte oder musste wegen seiner Musik.

Der Blick auf die andere Seite, ein Leben unter Schwerhörigen oder Tauben, fehlt in dem Buch gänzlich, ganz im Gegensatz übrigens zu seinem Blog.

Es gibt einige Geschichten mit „Ärger“, den er sich hätte ersparen können, wenn er mit „Seinesgleichen“ darüber gesprochen oder Kontakt gehabt hätte. Zum Beispiel gibt es statt Vibrationswecker auch Lichtwecker mit denen er in einigen Situationen „besser gefahren“ wäre.

Vor vielen Jahren empfahl Dr. Werner Richtberg uns jungen Schwerhörigen bei einem Vortrag, mit unserer Behinderung in „angemessener Resignation“ umzugehen. Ich hätte ihm am liebsten ... und Herr Görsdorf an meiner statt wohl noch mehr ...

Heute gebe ich ihm recht – es erspart einem eine ganze Menge Mühsal. Es ist immer ein Nachteil, schwerhörig zu sein, und es kostet immer zusätzliche Kraft, mit den gut Hörenden mitzuhalten. Es gibt nur ganz wenige, wie Alexander Görsdorf, die das schaffen und wohl über einen geheimen Born verfügen, aus dem sie unermüdlich neue Kraft schöpfen.

Ich indessen habe längst die Erfahrung gemacht, den „Schwierigkeiten“ in meinem Leben besser aus dem Weg zu gehen. Das bedeutet für mich, mich nicht mehr als nötig der Welt der Hörenden auszusetzen, obwohl ich mich hundertprozentig lautsprachlich orientiere, allein schon durch meine Tätigkeit als Schriftsteller.

„Taube Nuss“ ist ein originelles Buch in wohltuendem Stil und ich habe es gern gelesen. Auf seine Art ist das Buch gelungen und sehr zu empfehlen.

Daher sind meine Anmerkungen nicht dazu gedacht, dieses Werk in irgendeiner Weise abzuwerten, sondern sie sind lediglich mein Hinweis, dass jede „Medaille ja auch noch eine andere Seite hat“.  

Klaus Scheidt

Du Lac Verlag SW

Verlegen funktioniert nicht über Fehlervermeidung. Man muss so viel richtig machen, dass die Fehler, die man macht, nicht mehr ins Gewicht fallen.

Frei nach Jürgen Klopp, dem ehemaligen Cheftrainer der professionellen Fußballmannschaft vom Ballspielverein Borussia 09 e. V. Dortmund

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